Schönes

Ich habe den Eindruck, dass ich mich derzeit viel in schweren Gedanken verliere. Mir viele Sorgen mache um das, was ist, das, was kommt. Viele Hirnwindungen nutzen muss, um mich nicht darin zu verlieren. Das ist sicher dieser Ausnahmezeit geschuldet. Aber so soll das irgendwie nicht sein. Zumindest nicht nur.

Darum habe ich eine Übung gemacht. Ich habe entschieden, mich auf die kleinen Glücksmomente zu konzentrieren. Auch auf die ganz kleinen, die in diesen Zeiten leider oft Gefahr laufen, übersehen zu werden. Was ist es also, dass mich innerlich und äußerlich in diesen Tagen lächeln lässt?

Und siehe da, nachdem die ersten Worte noch langsam aus den Händen flossen, ging es plötzlich ganz gut und mir sind doch ein paar Dinge eingefallen…

Tischtennisspielen mit meinem großen Kind: Was aus der Bewegungsnot heraus an der geliehenen Tischtennisplatte unserer Nachbarn geboren wurde, entwickelt sich zum Spaß und weckt Erinnerungen an „Runden“ während der Schulpause.

Schulzusage: Mein Kind darf nach den Sommerferien in der weiterführenden Schule seiner Wahl starten. Und die beste Freundin auch. Kind strahlt. Mutter auch.

Tulpen: Die im vergangenen Herbst gepflanzten Zwiebeln sind gewachsen und gewachsen. Die ersten Tulpenköpfe zeigen sich in wunderschönen Farben und Schattierungen.

Inlinern: Das Kind darf im Abstand von 2 Metern mit der Freundin inlinern. Ich passe auf. Beide Kinder halten sich akribisch an den Abstand, sind selig und quatschen permanent und so laut, dass die halbe Nachbarschaft mithören kann (2 Meter müssen ja überwunden werden).

Die Vögel, die morgens vor meinem Fenster, aber auch über den Tag in den Bäumen voller Hingabe zwitschern, was das Zeug hält. Ihnen ist Corona egal. Vielleicht genießen sie sogar den Zuwachs an Ruhe in ihrem Leben.

Spaziergehen. Mit und ohne Familie: Ich gehe immer schon gern. Schaue mir Häuser an, bin im Wald unterwegs, gehe so vor mich hin. In Coronazeiten wird das fast schon zum Ritual.

Meine Familie um mich haben: Auch, wenn man sich zwischendurch mal auf die Nerven geht – wie schön ist es, meine 3 um mich zu haben, sie überhaupt zu „haben“.

Ein Bild meines Vaters, der trotz schwierigster Umstände draußen die Sonne genießen darf.

Musik: Ich höre mir bewusst Lieder „von früher“ an. Erinnerungsfetzen längst vergangener Zeiten verursachen Verständnismomente für mein pubertierendes Kind und die kurze Gewissheit – es geht vorbei.

Der Anruf einer lieben Freundin: Als Teenager habe ich stundenlang telefoniert, in meinem heutigen Leben hat das so wenig Platz. Wie wunderbar, diese Stunde am Telefon, diese Nähe, die anders ist als digital.

Frühlingserwachen: Immer schon berührt mich diese Zeit zutiefst, wenn die Natur in all ihrer Schönheit aus dem Winterschlaf erwacht und uns immer wieder, einfach so, daran teilhaben lässt. Wundersam, immer wieder aufs Neue.

Der Zaunbesuch von Freunden: Soziale Nähe auf 3 Meter Distanz. Sich sehen und hören dürfen. Live und in echt.

Gemeinsam Pläne machen für das Danach: Wenn wir wieder dürfen, dann … (aber das ist vielleicht Thema für einen anderen Text).

Mit unserem Nachbarn plauschen: Wir haben tolle Nachbarn und ich freue mich immer, sie zu sehen. Aber gerade freue ich mich ganz besonders. Über jedes Wort, jede Geste am Gartenzaun. Es ersetzt nicht alles, aber wir sind noch da. Füreinander. Miteinander. Nicht nur nebeneinander.

Rasen mähen: Beruhigt mich. Entspannung und Konzentration in der Bewegung. Und es riecht gut.

 

Freude über Dinkelmehl: Nachdem ich wochenlang auf der (vergeblichen) Jagd war – endlich sind 3 Pakete die meinen und dem Osterzopf steht nichts mehr im Weg. Nur Toilettenpapier, das kann ich einfach nicht erlegen…

Papas, die mit ihren Kindern radeln: Ja, das fällt gerade auf. Ebenso wie die vielen Jogger. Und doch sind es die Papas mit ihren Kindern, die mir ein Lächeln entlocken. Wann sonst sieht man an einem stinknormalen Wochennachmittag Väter mit ihren Kindern herumradeln? Find ich schön. Irgendwie.

Die Fischverkäuferin im Supermarkt: Vielleicht liegt es daran, dass man weniger reale Menschen zum Austausch hat, aber seit Corona gerate ich an Fisch-/Fleisch-/Käsetheke immer wieder in kleine, nette Gespräche. Und meine Bewunderung steigt für diese tollen Menschen, die in diesen Tagen auch hinter den abgesperrten Theken und bei manchmal surreal anmutenden Verrenkungen zur Warenübergabe ihre gute Laune und positive Aura nicht verlieren.

Gitarre spielen lernen: Mit 16 habe ich begonnen, Gitarre spielen zu lernen. Während Ausbildung und Studium endete das in Ermangelung von Zeit und Lust und seitdem zieht das gute Stück gemeinsam mit mir um und um und um , von einer Ecke in die nächste. Immer mit dem Vorsatz, „irgendwann“ mal wieder anzufangen. Seit einiger Zeit zeigt nun das Kind Interesse an diesem Instrument. Auf Grund monatelanger Wartelisten bei potentiellen Gitarrenlehrern verzögerte sich der Beginn. Dank Corona haben wir nur angefangen, um YouTube ein paar Akkorde zu lernen… langsam, aber wir haben angefangen. Wer hätte das gedacht.

Und so fällt mir ein guter Moment nach dem anderen ein und auch wenn dieser Tag bereits wieder schwierige Nachrichten bereithielt, so wird mir doch einmal mehr klar, dass das Schwarz & Weiß, das Yin & Yang, das Gute & Böse Bestandteil unseres Lebens sind und nebeneinander her existieren, auch in Coronazeiten.

Und mit dieser Einsicht entlasse ich euch in den Abend. Vielleicht findet ihr einen Moment Zeit, um herauszufinden, welche Momente Euer Leben gerade verschönern… und vergesst dabei nicht die ganz, ganz kleinen..

Passt auf euch auf, Eure Silke

Eure Silke

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