Resümee Woche 3

04.04.2020

Ich bin so müde. Es ist Samstagmorgen. Der Wecker hat nicht klingeln müssen. Ausschlafen. Was immer das so in meinem Alter und in diesen Tagen heißt. Beim morgendlichen Yoga gelingt es mir nur begrenzt, mich auf meinen Atem zu konzentrieren. Die Gedanken überschlagen sich bereits am Morgen, noch vor dem ersten Kaffee.

Diese Woche hat Spuren hinterlassen. Ich bin so müde. In jeder Hinsicht. In Gesprächen mit anderen habe ich erfahren, dass ich damit nicht allein bin. Die meisten haben besonders in dieser Woche gekämpft –mit dem privaten und beruflichen Alltag, mit den eigenen und allgemeinen Herausforderungen, mit Ängsten, Hoffnungen, Fragen; mit sich selbst, vielleicht auch mal mit den anderen, aber in jedem Fall irgendwie eben mit Corona. Diese Kämpfe machen müde, zermürben. Zumindest mich. Permanent fühle ich mich gefordert, manchmal sicher auch über ein für mich verträgliches Maß hinaus.

Es nützt nichts zu jammern. Ich zähle mir innerlich gern immer wieder auf, wie gut es mir, es uns geht im Vergleich mit so vielen anderen. Ich versuche das zu sehen, was diese Krise an Gutem hervorbringt, versuche mich zu fokussieren, mich nicht zu verlieren in Emotionen und Gedanken. In meiner Lehrerzertifizierung habe ich gelernt mich auf den „Task on Hand“ zu konzentrieren, also das, was eben gerade anliegt. Oft ein sehr hilfreicher Tipp, gerade aber nahezu unersetzlich. Immer das machen, was jetzt gerade ansteht. Auch eine gute Achtsamkeitsübung für den Alltag.

Und trotzdem bin ich geschafft, kaputt, müde. Von meinen Taten, aber eben auch von meinen Gedanken.  Ich finde sie nicht, die von vielen so beworbene „Auszeit“ in der Krise. Mein Leben dreht sich gefühlt noch schneller, wenn auch räumlich begrenzter als zuvor.

Manchmal fühle ich mich derzeit erinnert an meine Examensphase am Ende meines Studiums. Wochenlang hatte ich mich in Selbstisolation begeben, gelernt, was das Zeug hält. Hatte mir sehr eigene Routinen geschaffen (ich erinnere mich daran, wochenlang jeden Tag auf eine Fernsehsendung hingefiebert zu haben, die mir jeden Abend von 19-20 Uhr eine Pause erlaubte – und glaubt mir, dabei handelte es sich nicht gerade um Intellektuellen-TV …), kaum noch jemand anderen gesehen als den Lebensmittelhändler meines Vertrauens und ein Sportprogramm entwickelt, dass zumindest verhindern sollte, dass die zusätzliche Zufuhr an Schokolade nicht zu sichtbar wurde.

Im Rückblick erinnert mich da einiges an die heutige Situation, auch wenn ich mich heute mit 3 anderen (wunderbaren) Menschen in einer anderen Form der Isolation befinde. Aber neben den kleineren Unterschieden im Detail, gibt es vor allem den einen ganz großen Unterschied : Damals kannte ich das Datum meiner Examensprüfung! Das „Danach“ war klar definiert, die Phantasien von Ausschlafen, Freunde-treffen, Feiern, Wegfahren , LEBEN waren exakt terminiert. Am Ende des Ausnahmezustands stand das Versprechen auf das Leben, wie ich es kannte.

Das ist heute anders. Keiner kann sagen, wie sich die nächsten Wochen entwickeln. Keiner weiß, wie und über welchen Zeitraum sich der sogenannte „Exit“ aus diesem corona-bedingten Ausnahmezustand gestalten wird. Prognosen sollen Wissen ersetzen und können es doch nicht. Nur eins wissen wir ganz sicher: Das Leben DANACH wird nicht mehr so sein wie das Leben DAVOR. Die Welt wird anders sein.

Vielleicht ist es diese Unsicherheit, die mich zunehmend erschöpft. Vermutlich ist es ein Mosaik aus all dem, was in der Welt geschieht und all dem, was in mir drin passiert. Vielleicht ist das auch ganz egal, denn vermutlich bleibt mir und uns nur, Schritt für Schritt, den Weg weiterzugehen, so lange er eben dauert. Gemeinsam.

Passt auf euch auf, Eure Silke

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