Das Weihnachtsbaumschmücken – mehr als eine Pflichtübung

Wer mir auf Facebook folgt, kennt meine Inspirations-Blitzlichter: Das sind kurze Texte zu allem Möglichen und Unmöglichen aus dem deutschen Alltag. Ich schreibe dort gern über die Kleinigkeiten, die mir im Alltag begegnen und mit denen ich versuche, vor allem Deutschlernerinnen und -lernern Einblicke in das deutsche Leben zu vermitteln. Garniert mit ein paar Vokabeln erweitern sie zudem hoffentlich ein wenig den individuellen Wortschatz eines jeden Lesers bzw. einer jeden Leserin.

Gerade habe ich gleich mehrere Blitzlichter über das Phänomen des Weihnachtsbaums verfasst (aber noch nicht alle veröffentlicht 😊): Das Kaufen, das Schmücken, seinen Glanz am Weihnachtsfest. Und es wird sicher noch ein Text über das Abschmücken und „Entsorgen“ hinzukommen. Denn auch das gehört irgendwie dazu… zu der Tradition des Weihnachtsbaums.

Und während ich meine Texte so schrieb, schossen mir Erinnerungen wie echte, kleine Blitze durch den Kopf: Meine unzensierte und absolut wahre Bewunderung für diesen funkelnden bunten, grünen Zauberbaum, die ich als Kind empfand und die immer untrennbar verknüpft war mit dem Geruch nach Tannengrün und Kerzenwachs. Meine Suche nach meinen 2 Lieblingsanhängern aus Plastik, die niemals fehlen durften, obwohl sie schon damals nicht sehr festlich anmuteten. Die alljährliche Warnung meiner Mutter vor den „echten“ Kerzen, die auch nicht verstummte, als ich schon lange erwachsen war. Die Verwunderung, wie es das Christkind nur geschafft hatte, ungesehen ins Wohnzimmer zum Baum zu huschen und all diesen Glanz zu zaubern, während ich doch achtsam in dicken Wintersachen auf der Terrasse den möglichen Weg bewachte.

Wie ich mich auch als junge Erwachsene stoisch geweigert habe, beim Schmücken des Baumes zu helfen, weil ich diesen einen besonderen Moment des ersten Blickes mit brennenden Kerzen und dem Baum in all seiner Pracht nicht missen wollte. An die alljährlich wiederkehrenden Diskussionen, wie der Baum nun in diesem Jahr geschmückt werden sollte und die spürbare kleine Enttäuschung bei denen, die sich bei diesem Mal nicht durchsetzen konnten. An den Stress und die Schimpferei beim Aufstellen, weil der Baum zu groß oder zu krumm war, der Baumständer wackelte oder einfach die Position im Raum nicht von allen als optimal empfunden wurde. An die Erleichterung, wenn er endlich stand.

An eines meiner ersten Weihnachtsfeste als Mutter, an dem mein (Klein-)Kind mit großen Augen auf Papas Arm saß und staunend dieses Lichtermeer auf grüner und bunt geschmückter Tanne betrachtete.

Während all diese Erinnerungen in mir herumschwirren, drängelt sich eine Frage dazwischen hindurch, eine kleine Erkenntnis an ihrer Hand und macht laut auf sich aufmerksam: Wie ist es heute? Was ist das heute mit dir und dem Weihnachtsbaum?

Ja, was ist das heute mit mir und dem Weihnachtsbaum? Er gehört für mich eben dazu und das habe ich bis heute auch weder in Frage gestellt noch besonders beachtet. Doch wenn ich jetzt genauer hinschaue, dann sehe ich , dass ich mit meinen Lieben einen Tag festlege, an dem wir zusammen auf einen großen Hof fahren und gemeinsam den für uns allerschönsten Baum aussuchen, ihn mit vereinten Kräften absägen, käuflich erwerben und ins Auto laden. Dann essen wir einen Crêpe oder eine Bratwurst und beobachten all die anderen Menschen, die sich ebenso ihren allerschönsten Baum aussuchen, ungeachtet des recht un-vorweihnachtlichen Nieselregens. Ungeachtet auch der Matschpfützen überall, die das ein oder andere Auto feststecken lassen, das dann mit Hilfe vieler Menschen gemeinsam wieder aus dem Dreck geschoben wird, so dass hinterher alle aussehen wie kleine und große Wildschweine.

Ich sehe uns nach Hause fahren und darüber diskutieren, wann wir den Baum am besten aufstellen, damit ihm nicht zu schnell zu warm wird; gemeinsam dann die ideale Standposition festlegen und uns nach erfolgreichem Aufstellen gegenseitig für unsere ausgezeichnete Baumwahl loben. Ich sehe uns die Weihnachsschmuckkisten aus dem Keller hochschleppen, sehe , wie wir uns über jeden Stern, jedes Anhängerchen freuen, dessen Existenz wir übers Jahr beinahe vergessen hatten. Beobachte unsere Kinder , die mit hervorgestreckter Zunge gewissenhaft jedem Dekostück seinen Platz am Baum zuweisen, während mein Göttergatte den DJ spielt und uns mit Weihnachtssongs beschallt, die wir entweder mitsingen oder uns lautstark dagegen wehren. Manchmal auch beides gleichzeitig.

Ich sehe mich Lichterketten entwirren und Kerzenhalter entwachsen und am Ende ganz allein die finalen Handgriffe machen, weil die Kinder erschöpft ihr Baumwerk frühzeitig beendet haben. Und ich erwische mich dabei, einen zufriedenen Gesichtsausdruck zu tragen, der in ein Lächeln übergeht als ich still und leise meine beiden geliebten Plastikanhänger an ihre perfekten Plätze in unserer Tanne hänge.

Und plötzlich meldet sich da die kleine Erkenntnis fast ein bisschen schüchtern zu Wort und fragt: Ist all das nicht vielleicht ein Teil deines ganz persönlichen Weihnachtszaubers?

Ich halte einen Moment inne und dann beuge ich mich zu ihr hinunter und höre mich flüstern: „Du hast Recht… da ist er – mein ganz persönlicher Weihnachtszauber! Danke für’s Erkennen.“

Und so beende ich diesen Text ganz leise mit einem Appell: Mach dich auf.. auf die Suche nach deinem persönlichen Weihnachtszauber… ich bin mir sicher, du wirst ihn finden!

Deine Silke

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