Auswirkung Nr. 5

Überall lese ich derzeit, man solle sich auf die Zeit, die Möglichkeit zur Muße, zum Aufräumen oder zur Erledigung lange verschobenen Dingen konzentrieren und somit der aktuellen Krise etwas Gutes abgewinnen. Jaha… ich sehe den Punkt. Er hat etwas mit Achtsamkeit zu tun, mit der Besinnung auf den Augenblick, das Jetzt. Ich mag diesen Gedanken und versuche ihn – mehr oder weniger erfolgreich – generell in meinem Leben Platz finden zu lassen. Bin also total „dafür“.

Gerade finde ich das, aus meiner ganz eigenen Situation heraus, aber eher deutlich erschwerter als andersherum. Mit zwei Kindern und zwei Erwachsenen zu Hause in Zeiten von Kontaktsperre und Hamsterkäufen befinde ich mich aktuell in einer ganz besonderen Form von Hamsterrad (2x der Hamster – so kommt dieses schnuckelige Tier dieser Tage doch zu seinem ganz eigenen Ruhm). Mein Tag benötigt und erhält eine eigens kreierte Struktur, damit keiner von uns dem Heimkoller verfällt. Ich bin Lehrerin, Motivationstrainerin , Berufstätige, Putzfrau, Köchin, Entertainerin, Mama, Partnerin, Tochter, Schwester, Einkäuferin, Versorgerin,  IT-Expertin, Sportlehrerin etc. in einer Person und aktuell wirklich alles irgendwie gleichzeitig. Ich halte mich ja durchaus für „ganz gut“ im Organisieren, aber meine Tage bestehen aktuell aus gefühlt viel zu wenig Stunden, um all meine Aufgaben zu bewältigen. Das Wort „Muße“ steht dabei nicht so auf dem Tagesplan.

Nicht falsch verstehen: Ich freue mich mit den und für die Menschen, die gerade den Wert von Achtsamkeit neu oder auch erstmals für sich entdecken. „Macht weiter so!“, möchte ich Ihnen zurufen. „Haltet diese Erkenntnis gut fest!“ Gleichzeitig weiß ich aber auch, wie vielen es gerade wohl eher so geht wie mir und euch möchte ich sagen: „Auch das schaffen wir!“

 Vielleicht nicht immer als unser bestes Selbst; vielleicht auch phasenweise nicht ganz so achtsam, wie wir uns das wünschen würden. Aber wir kommen dadurch. Auch in Krisen entwickeln sich irgendwann kleine, vielleicht winzig kleine, aber eben doch Routinen.  Und so, wie uns das Händewaschen, In-die-Armbeuge-Niesen und Zu-Hause-Bleiben mit jedem Tag selbstverständlicher erscheint, so blinzelt vielleicht auch in unserem häuslichen Alltag mit Schule, Arbeit und Co. irgendwann in einem unbeobachteten Moment die kleine Routine um die Ecke… und ermöglicht uns ein kurzes Durchschnaufen, einen Moment des Gesicht-in-die-Sonne-haltens oder des achtsamen Innehaltens bei einem kleinen Spaziergang (mit Abstand zu anderen Personen natürlich).

Ich wünsche euch für heute, dass es euch gelingt, in all dem Ungewohnten einen kleinen Funken Gewohnheit zu entdecken.

Passt auf euch auf. Eure Silke

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