Auswirkung Nr 4

Manchmal möchte man einfach mal weglaufen. Hinschmeißen. Irgendjemand anderen übernehmen lassen.

Wir sitzen im Home Office (Göttergate und ich) und in der Home School (die Kinder). Mit viel Gedankenschmalz und guter Intention habe ich am gestrigen Sonntag noch einen Stundenplan für die anstehende Woche gebastelt, der uns eine Struktur geben und durch die Woche führen soll. So, dass jeder ( r) weiß, wann wir was tun und vor allem, dass für die Kinder ersichtlich ist, dass wir gar nicht so lange an den Schulaufgaben sitzen werden, wie sie es – zumindest zeitlich gesehen – in der „echten“ Schule tun würden.

Motiviert ging es in den Morgen, alles lief bis … ja, bis die ersten Fragen auftauchten und ich es offenbar unserem Grundschulkind nicht zur vollen Zufriedenheit erklären konnte. Die Folge waren Bock- und Schimpfattacken und eine ziemliche Hilflosigkeit – auf allen Seiten.

Ja, ich unterrichte Deutsch als Fremdsprache. Sehr gerne und  – zumindest laut Lerner-Feed Back – auch ganz ordentlich. Aber ich bin keine Grundschullehrerin. Und – was viel schwerwiegender ist – ich bin nicht die Lehrerin, ich bin Mama. Und Mama kriegt einfach auch den Frust ab, wenn es nicht so läuft, das Lernpaket dem Kind so wahnsinnig groß erscheint und es einfach mal seine Freunde, seine LehrerInnen, seinen Alltag, seine Normalität vermisst.

Ich kann das total verstehen. Und ich habe schon vor dieser Ausnahmesituation den Lehrerberuf sehr zu schätzen gewusst und versucht, meine Anerkennung immer wieder zum Ausdruck zu bringen. Das hilft mir nur gerade nicht. Ich muss irgendwoher Geduldsreserven auftun, die es mir ermöglichen, neben all dem anderen auch meine Kinder aufzufangen – schulisch und emotional.

Denn ich kann die aktuelle Situation in der Welt, in unserem Land, in unserer Stadt nicht ändern. Ich muss sie annehmen, wie alle anderen auch. Es hilft weder mir noch meinen Lieben, wenn ich in eine Bockhaltung verfalle. Also atme ich tief durch. Nicht nur einmal, sondern 10 oder 50 Mal. Gehe einmal vor die Tür, halte mein Gesicht in die Sonne. Schließe die Augen, atme weiter.  Augen auf, wieder rein.

Nehme mein Kind fest in die Arme, halte es. Dann entschuldige ich mich für mein doofes Erwachsenenverhalten. Und dann sprechen wir – mal wieder – über diese ganze irre Corona- Situation und dass ich leider nicht die tolle Lehrerin aus der Schule bin, sondern Mama. Und wie wir vielleicht gemeinsam jeden Tag neu Wege finden, diese Home School – Wochen zu meistern.

Ich weiß, wie werden in den nächsten Wochen sicherlich immer wieder an unsere Grenzen stoßen. Jeder von uns. Irgendwie und mit irgendwem. Aber irgendwie kriegen das wir hin. Darauf versuche ich zu vertrauen.

Auswirkung Nr. 4: Es läuft alles andere als perfekt. Aber es läuft irgendwie. Und wir kriegen das hin.

PS: Habe vorhin mit der wunderbaren Grundschul-Klassenlehrerin telefoniert. Manchmal reicht es schon, wenn jemand bestätigt, dass man es eigentlich doch ganz gut hinkriegt, diese Ausnahmesituation. Danke! 😊

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