2020 – Kommt gut ‘rein!

Liebe Leserinnen und Leser!

Das Jahr geht heute definitiv zu Ende. Hier in Deutschland stecken viele von uns gerade mitten in den Vorbereitungen für den Silvesterabend, in einigen Teilen der Welt ist 2019 bereits Geschichte.

Heute mittag um 12:00 habe ich mit einer lieben Freundin „gemorst“ (so bezeichne ich gern unseren regelmäßigen Austausch über Whats app & Co.; es klingt auch so viel besser als „whats appen“, diese schaurig-schreckliche Wortkreation), die in Neuseeland lebt und deren 2020 bereits begonnen hat. Und obwohl es im Grunde nur eine rechnerische Angelegenheit ist, war ich doch fast ein bisschen neidisch darauf, dass sie den Schritt bereits gegangen ist, während vor mir noch ein paar Stunden Abwarten liegen.

Ihr hört es vielleicht schon leise heraus: Ich in bin nicht wirklich der größte Silvesterfan aller Zeiten 😊. Als Kind fand ich es natürlich auch spannend, gefühlt unendlich lange wach bleiben und wie die Großen feiern zu dürfen; in meinen Jahren als Teen und Twen habe ich die verschiedensten Silvesterparties erlebt und einige von ihnen auch wirklich genossen, vor allem, wenn ich sie mit netten Menschen verbringen konnte und wir einfach eine fröhliche Zeit zusammen hatten. Als junge Mutter erschien mir „Mitternacht“ vor lauter Schlafmangel quasi unerreichbar und seit einigen Jahren gelingt es mir nun, liebe Menschen in einer überschaubaren Anzahl um mich zu sammeln und mit ihnen recht entspannt in ein neues Jahr zu rutschen. An der „Feierei“ liegt es also nicht.

Trotz aller Abgeklärtheit, die sich ja doch über die Jahre ergibt, bleibt für mich die Zeit zwischen den Jahren, also zwischen Weihnachten und Silvester, eine Zeit des Rückblickes und auch des Versuchs, etwas abzuschließen, damit Raum für Neues entstehen kann. Ich versuche, mich an die vergangenen 12 Monate zu erinnern; an das Herausfordernde, das Erreichte, das Geschenkte, das Wundersame, das Traurige, das Glückliche. Manches zieht mich in seinen Bann, lässt Emotionen noch einmal aufflackern, Tränen fließen oder lockt das ein oder andere Schmunzeln hervor. Ein Jahr ist so komplex; ein Zeitraum, in dem so vieles nebeneinander Platz findet, dass es mich immer wieder erstaunt, wieviel wir „zu verpacken“ haben. Es ist bekannt, dass einzelne Ereignisse in unserer Erinnerung ein Jahr besonders prägen und ihm eine Art Etikett verpassen: Das romantische Jahr, weil wir geheiratet haben; das traurige Jahr, weil wir Menschen verloren haben; das freudige Jahr, weil ein Kind geboren wurde; das anstrengende Jahr, weil wir Prüfungen ablegen mussten; das abenteuerliche Jahr, weil wir eine große Reise unternommen haben und so weiter und so fort. Nicht selten verlieren wir über dieses Etikett all die anderen Zutaten der vergangenen 12 Monate aus dem Auge und speichern das Jahr etikettiert in unserem Lebensarchiv ab.

Ich erwische mich oft dabei, dass mir die anstrengenden, herausfordernden Momente eines Jahres besonders präsent sind und ich ein bisschen in meinen Gehirnwindungen kramen muss, um auch anderen Momenten zu ihrer Geltung zu verhelfen und damit eine Art Gleichgewicht herzustellen. Denn meistens besteht so ein Jahr doch auch aus vielen unterschiedlichen Momenten und Situationen und hat viel mehr zu bieten als wir im ersten Erinnerungsmoment wahrnehmen mögen. Diese Seelengymnastik fordert mir manches Mal viel Kraft und auch ein bisschen Mut ab, um an einen Punkt zu gelangen, an dem ich das vergangene Jahr in Frieden gehen lassen kann. Je älter ich werde, desto wertvoller wird für mich jedes einzelne Jahr, denn ich spüre, wie mich jedes ein bisschen mehr prägt und zu dem Menschen macht, der ich bin.

Für heute Abend wünsche ich euch und mir, dass es uns gelingt, 2019 dankbar gehen zu lassen und voller Hoffnung und Zuversicht auf 2020 zu blicken – was auch immer es für jede(n) Einzelne(n) von uns bereithalten wird.

Auf ein gesundes und zufriedenes neues Jahr!

Eure Silke

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